Mercedes-Benz 300 SL: Die Literatur / Kurzrezensionen
Mitteilungen aus dem Daimler-Benz Archiv 
300 SL Coupé/Roadster, Dokumentation
Daimler-Benz Museum, Stuttgart; Format 21 x 29,5; ca. 110 Seiten; Broschur; zahlreiche techn. Zeichnungen und Fotos; Texte in deutsch
Eine Fleißarbeit aus den Archiven von Mercedes-Benz: Die über das Daimler-Benz-Museum vertriebene Broschur ist eine Zusammenstellung zahlreicher zeitgenössischer Faksimile-Dokumente zum 300 SL. Der Band legt weniger Wert auf Ausstattung und ist redaktionell kaum bearbeitet, wartet dafür aber mit seltenen Originaltexten und Konstruktionszeichnungen auf. Da finden sich - noch klassisch mit der Schreibmaschine getippte - Verkaufsinformationen für die MB-Händler; Tabellen mit Ausstattungsmerkmalen; Aufstellungen mit angebotenen Kombinationen von Lackierung und Farbe der Polsterbezugsstoffe; eine Aufstellung der Fahrgestellnummern und jeweiligen Baujahre; Reproduktionen von Prospekten und Presseberichten usw. usf. Selbst eine Kuriosität wie das ausklappbare Faksimile einer säuberlich auf Millimeterpapier gezeichneten Verlaufskurve über Motorleistung und Kraftstoffverbrauch aus der Typenabnahme des M 198-Motors findet Platz in der Zusammenstellung. Ein recht trockener technisch orientierter Text stammt aus einer Ingenieurs-Fachzeitschrift und liefert "Technische Betrachtungen über die Mercedes-Benz-Sportwagen 300 SL und 190 SL", ein zweiter längerer Text (auch wieder ein Schreibmaschinen-Faksimile) stammt aus der Feder des Auto-Journalisten Günter Engelen und befaßt sich mit der historischen Entwicklung des 300 SL.
Schon aus Imagegründen würde Mercedes-Benz ein solches Werk heute vermutlich nicht mehr in dieser Form veröffentlichen, aber aus dieser Quelle haben inzwischen sicherlich viele Motor-Journalisten ihre Fakten über den 300 SL geschöpft.
Nitske, Robert W. 
Mercedes-Benz 300 SL
Motorbook International, Wisconsin/USA 1974; Format 29 x 23 cm; 164 Seiten; 164 s/w-Abb.; Texte in englisch, Bildtexte auch deutsch; ISBN 0-87938-021-7
Was würde einen Autor mehr prädestinieren, über ein bestimmtes Fahrzeug ein Buch schreiben, als der Besitz eines Exemplars dieses Fahrzeugs?
Und so finden sich neben den meist bekannten, aus den Archiven von Mercedes-Benz stammenden schwarz-weißen Abbildungen auch drei Fotos des Nitske-300 SL: Die persönliche Abholung in Sindelfingen mit Übergabe von Schlüsseln und Papieren, die stolze Ehegattin vor einer Kulisse von Flügeltürer und Villa in Santa Barbara, und der nicht minder stolze Autor unter der geöffneten Flügeltür auf dem Einstiegsrahmen sitzend. Nitskes Hauptproblem mit seinem 300 SL: ihn wegen der restriktiven speed limits in den USA nicht angemessen fahren zu können.
Da verzeiht man gerne die ein oder andere Ungenauigkeit oder Fehler, wie etwa Kurrle zu "Knurrle" zu verballhornen oder das Design des W 194 als "vergrößerten Porsche" zu diskreditieren. Auch die Geschichte des "Hobel", jenes Einzelstücks von 1953, aufgebaut auf der Basis des W 194 mit der Fahrgestellnummer 11, kommt etwas unscharf und verkürzt.
Fast die Hälfte des Buches besteht zudem aus Reprints der Betriebsanleitungen von Flügeltürer und Roadster inclusive aller Abbildungen und Tabellen.
Dennoch, immerhin ist das Werk von 1974, dürfte das Buch über viele Jahre hinweg das Standardwerk zum 300 SL gewesen sein, zumindest in den USA.
Sauzay, Maurice
Mercedes-Benz 300 SL
Nr. 7 aus der Reihe "Collection Grand Tourisme", EPA, Paris/Frankreich 1984; Format 19 x 22 cm; 134 Seiten; 87 s/w-Abb., 10 Farbfotos; frz. Text; ISBN 2-85120-199-9
Klein, aber fein - auf dem Kaffeetisch wäre dieses Buch schnell zwischen Tassen und Kuchentellern verloren. ccc Dieser Einstieg verrät schon mein Problem mit dieser Kurzrezension: mein Schulfranzösisch hat sich leider zum großen Teil verflüchtigt, und daher kann ich über seinen Inhalt nur rudimentäre Angaben machen. Leicht läßt sich feststellen, daß sich Sauzay im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen aus dieser Zeit recht ausführlich mit Geschichte und Verbleib der 11 W 194-Fahrzeuge beschäftigte, wobei er freilich über den Wissenstand von 1984 nicht hinauskam und sicher auch nicht hinauskommen konnte. Immerhin verrät der Autor hier trotz des nur beschränkt zur Verfügung stehenden Platzes eine gewisse Akribie, eine mehr journalistische als literarische Herangehensweise, die mir das Buch sympathisch macht. Ich ziehe die Chronisten gerne den Schwadronierern vor, die sich selbst größer machen wollen als das, worüber sie berichten.
Ganz besonders aber gefallen mir die vielen seltenen Bilder, von denen ich eine ganze Reihe erstmals in diesem Buch sehe. Darunter je zwei von der Mille Miglia, Le Mans und vom Nürburgring 52, und ein lustiges doppelseitiges von der Carrera Panamericana mit einem das halbe Format füllenden Esel im Vordergrund, nur klein dagegen im Hintergrund Startnummer 3 und 4 sowie der Service-LKW. Selbst vom "Hobel" (Chassis 11), dem ein eigenes kurzes Kapitel gewidmet ist, gibt es bei Sauzay mir bisher nicht geläufige Fotos.
Daß auch der 300 SL nur ein Auto ist, zeigt die Abbildung eines reichlich zertrümmerten Gullwing in einem Straßengraben
Wenn man wirklich unbedingt was an dem Buch kritisieren will, dann die zeittypisch nicht so tolle grafische Gestaltung, und auch bei der drucktechnischen Umsetzung scheint der Rotstift eine nicht unerhebliche Rolle gespielt zu haben. Dafür gibt's ein Vorwort von Olivier Gendebien, der den 300 SL selbst in Rennen gefahren hat, aber da wäre ich wieder am Ausgangspunkt: mein Schulfranzösisch... 
Lewandowski, Jürgen 
Mercedes-Benz 300 SL 
Art & Car Edition; Südwest-Verlag, München ca. 1988; limitierte und numerierte Auflage; 160 Seiten; über 200 farbige Abb.; Text in deutsch und englisch. Als Beilage: Reprint des Flügeltürer-Prospektes von 1954
Jürgen Lewandowski ist der Autor des am luxuriösesten aufgemachten deutschsprachigen Buches über den 300 SL. In der ambitionierten "Art & Car Edition" des Südwest-Verlags erschienen, präsentiert das in blaues Leinen gebundene großformatige Werk zahlreiche hervorragende, zum Teil doppelseitige Farbaufnahmen von Flügeltürer und Roadster, darunter viele aus den Ateliers des renommierten Leonberger Fotografen Rene Staud. Ein paar Schwächen zeigt das Buch in der Recherche zum W 194, viele Angaben über Geschichte und Verbleib der 52er Renn-300 SL sind inzwischen besser bekannt. Ansonsten sind die zweisprachigen Texte spannend zu lesen und lassen nichts aus, was der Leser an Informationen über den berühmsten deutschen Seriensportwagen erwartet. Wobei das Buch allerdings weniger Wert auf akribische Faktenhuberei legt, sondern durchaus auch literarische Ambitionen beweist. Technische Details finden sich dafür kompakt im reichhaltigen Anhang.
Die auf 3000 Exemplare limitierte und numerierte Auflage ist schon seit vielen Jahren vergriffen und nur noch antiquarisch aufzutreiben, wobei die Gestehungskosten für perfekt erhaltene Exemplare leicht ein mehrfaches des ursprünglichen Kaufpreises erklimmen. Allerdings nur, wenn der Leinenschuber und der ursprünglich darin enthaltene Reprint eines Flügeltürer-Prospektes noch vorhanden sind.
Matsuda, Y. / Inomoto, Y. 
Mercedes 300 SL Gullwing 
GREAT CARS OF GREAT COLLECTIONS VOL.2 
Fotos von Komei Hanaoka 
Matsuda-Verlag, Japan 1981; Format 30,5 x 30,5 cm, 80 S., Hardcover mit Schutzumschlag; 50 Farbfotos, 9 s/w-Fotos, 10 Zeichnungen; Texte in jap. und engl.
Band 2 in der Reihe "Great Cars of Great Collections" ist eigentlich kein Buch über den 300 SL, sondern ein Buch über einen 300 SL, nämlich das Exemplar mit der Fahrgestellnummer 5500581, ein silbergrauer Flügeltürer aus dem Jahr 1955. Das Buch hat einen schmalen Rücken, dafür sind die Seiten in Langspielplattengröße, und das kommt besonders zur Geltung bei den oft doppelseitigen, sehr dunkel gehaltenen Aufnahmen (das bringt die Reflexe so richtig zur Geltung) von Komei Hanaoka, der den genannten Flügeltürer im Hauptteil mit 50 grandiosen Fotos festgehalten hat. Dabei fallen besonders die in Perspektive und Stil ungewöhnlichen Detail- und Nahaufnahmen ins Auge.  Ein weiteres Highlight ist die inzwischen berühmte und schon häufig nachgedruckte, sehr detaillierte Aufrißzeichnung von Yoshihiro Inomoto, die sich ebenfalls auf einer Doppelseite breitmachen darf (bei den oft verkleinerten Nachdrucken gehen viele feine Details verloren). Die in japanisch und englisch abgedruckten Texte bleiben im Rahmen des zu Erwartenden und würden allein die Anschaffung des längst vergriffenen und hierzulande schwer aufzutreibenden Buches nicht rechtfertigen.
"To me the 'Gullwing' is the loveliest of all cars", schreibt Herausgeber Yoshiho Matsuda in seinem Vorwort "Gullwing and I". Wer wollte ihm da widersprechen. 
Boddy, William 
Mercedes-Benz 300 SL - Gullwing & Roadster 
Osprey AutoHistory; London 1983; Format 19 x 22 cm; 136 Seiten; 70 s/w- und 12 Farbfotos; Text in engl.; Leinen-Hardcover mit Schutzumschlag; ISBN 0-85045-501-4
Was dem Amerikaner sein Nitske und dem Deutschen sein Engelen/Riedner, ist dem Briten sein Boddy: hier das vor dem Erscheinen des Buches von Adler klassische britische Standardwerk über den 300 SL, inzwischen freilich schon etwas betagt.
Der auch mit diversen Fotos, die in anderen 300 SL-Büchern nicht zu finden sind, reichhaltig illustrierte Band glänzt mit informativen und dennoch locker geschriebenen Texten. Der Teil mit den technischen Spezifikationen beschränkt sich hingegen auf knappe 2 Seiten und dürfte buchhalterisch veranlagte Naturen nicht sonderlich befriedigen. Im Textteil sind technische Angaben weitaus reichlicher enthalten, allerdings nicht auf einen Blick abzulesen - ein Buch zum Schmökern also. Die Farbfotos sind, wie in prädigitalen Zeiten häufig üblich, aus Kostengründen auf einem Druckbogen und damit acht aufeinanderfolgenden Glanzpapier-Seiten zusammengefaßt. Wie in vielen anderen älteren 300 SL-Büchern vermißt man auch bei Boddy ausführlichere Informationen über die Entwicklung vom W 194 zum Seriencoupé, insbesondere über den Typ 11 von 1953 - diese Geschichte brauchte bei vielen mit Autos befaßten Schreibern offenbar an die vierzig Jahre, um für die Öffentlichkeit recherchiert zu werden.
Engelen, G. / Riedner, M. 
Mercedes-Benz 300 SL - Vom Sportwagen zur Legende
Fotos von Hans-Dieter Seufert
Motorbuch-Verlag, Stuttgart; 
1. Auflage 1989; 
2. überarbeitete und erweiterte Auflage 1999; Format 24 x 27 cm; Hardcover mit Schutzumschlag; 288 Seiten; 383 Abb., davon 54 in Farbe; Text in deutsch; DM 98,-:
3. Auflage 2008; Format 23 x 26,5; Broschur; 288 Seiten; 333 Abb., davon 60 in Farbe; 19,95 Euro; ISBN 978-3-613-02937-8
Dies ist nicht weniger als das deutsche Standardwerk über den Mercedes-Benz 300 SL Typ W 194, W 198 I und W 198 II. Dafür sorgen die Motor-Journalisten Riedner und Engelen sowie der herausgebende Fachverlag. Das höchst umfangreiche Buch beleuchtet jedes Detail des Klassikers in technischer und historischer Hinsicht, z.B. umfaßt die Berichterstattung über jede einzelne Rennteilnahme des W 194 im Jahr 1952 nicht nur die Rennverläufe, sondern auch die jeweiligen Rennvorbereitungen und Trainingssitzungen. Umfangreiche Werksunterlagen bis hin zu Briefwechseln aus den Archiv von Mercedes-Benz wurden ausgewertet und zitiert. Ergänzt wird das Werk durch reichhaltige Illustrationen, viel Schwarzweißmaterial aus dem Werksarchiv mit z.T. seltenen Aufnahmen aus den frühen Jahren, gefolgt von großformatigen Farbfotos der Serienmodelle. Ausführlich werden auch exotische 300 SL-Ableger bzw. -Varianten unter die Lupe genommen, neben dem berühmten Typ 11 von 1953 und dem SLS auch der legendäre, erst kürzlich von Mercedes-Benz wiederaufgebaute Renntransporter, der als Unikat 300 SL-Bauteile enthielt (und enthält). Die letzten Kapitel stellen prominente 300 SL-Besitzer vor, befassen sich mit Maßstabsmodellen des 300 SL, präsentieren Nachfolger wie z.B. den ebenfalls mit Flügeltüren ausgestatteten C 111 oder beschäftigen sich mit der Restaurierung. Ein umfangreicher technischer Anhang listet alle erdenklichen Daten und Fakten zum 300 SL.
Zehn Jahre nach dem ersten Erscheinen wurde das Buch 1999 in einer überarbeiteten und erweiterten Auflage veröffentlicht; 2008 erschien die dritte Auflage, diesmal als Broschur. Die gebundenen Versionen sind nur noch antiquarisch zu erhalten.
Motor Klassik / Mercedes-Benz-Museum 
300 SL 1952 - 1963
Hrsg. Mercedes-Benz AG, Stuttgart 1992; 140 Seiten; Format 24,5 x 34 cm; Broschur; zahlreiche z.T. vierfarbige Abb.
Viele Jahre ist es her, das Objekt der Begierde hat inzwischen den 50. Geburtstag hinter sich, da taten sich zur Feier des 40. das Mercedes-Benz-Museum und die Zeitschrift Motor-Klassik zusammen, und heraus kam ein sehr schön gemachtes Sammelsurium an Beiträgen über den legendären 300 SL. Zwischen zwei standesgemäß silbergrau unterlegten Umschlagdeckeln findet man hauptsächlich Reprints aus "Auto Motor und Sport", der "Motor-Revue", aus "Motor-Klassik" und aus diversen zeitgenössischen Mercedes-Benz-Prospekten, jeweils umrahmt von einem silbergrauen Rand und geschmackvoller Typographie; und da es sich um Faksimiles handelt, sind nicht nur die Texte, sondern auch die Bilder dabei. Über das Fahrzeug selbst wäre damit das wichtigste gesagt, folglich erstrecken sich die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches aktuell verfassten Beiträge hauptsächlich auf kulturelle Themengebiete rund um den 300 SL: der 300 SL im Film, in der Kunst, auf Briefmarken, als Modellauto - und machen das Buch damit zu einer empfehlenswerten Rarität, denn in den mir bekannten anderen 300 SL-Büchern wird über so etwas höchstens mal am Rand berichtet. Vorworte und eine Einführung von Max Gerrit von Pein, Dirk-Michael Conradt und Juan Manuel Fangio runden das Geburtstagsständchen zum 40. ab.
Einziger Nachteil: Das Buch paßt mit seinen 34 Zentimetern Höhe in kaum ein Regal.
Dennis Adler 
Mercedes-Benz 300 SL
Motorbooks International 1994; englisch; Hardcover mit Schutzumschlag; 26,5 x 26 cm; 168 S.; $ 49,95; ISBN 0-87938-882-X
"To my way of thinking, the 300SL, along with the E-Type Jaguars, share the honor of being the most romantic motorcars of the postwar era."
Diese ungewöhnliche Betrachtungsweise eines Fahrzeugs, welches zumeist eher mit technisch orientierten Begriffen geadelt wird, gibt im Vorwort ein wenig die Richtung dieses Buches an. Sowohl bei oberflächlicher als auch bei allzu naher Inaugenscheinnahme dieses edel anmutenden Bandes scheint er die erwarteten Informationen über den 300 SL zu liefern, aus mittlerer Distanz betrachtet jedoch zeigt sich Adlers Buch als Hommage an Ära und Aura eines Wunderwerkes von Design und Technik, vielleicht gar mit großen Augen aus einer kindlichen Perspektive.
Aufmachung und Bebilderung sind opulent, und nicht umsonst erweist der Autor seinem Vorgänger Lewandowski die Reverenz. Manche Bilder sind echte Raritäten, so z.B. die vom ersten öffentlichen Auftritt des 300 SL auf der Solitude, und ein ganzes ausführliches Kapitel mit nicht minder selten gesehenen Aufnahmen des Journalisten Douglas Duncan befasst sich mit dem frisch umgebauten W 194 Fg.-Nr. 9 als Prototyp des Roadsters (und späteren SLS) im Jahr 1956.
Da dieses Buch aus den in diesen Dingen eher unkonventionellen USA stammt, schreckt Adler auch nicht vor zwei Replikas oder violett ("strawberry") lackierten Originalen zurück. Puristen mögen die Nase rümpfen (und vielleicht auch das Kapitel über den SLR überschlagen), aber ihnen geht ja auch die romantische Sichtweise des Autors ab.
Karl E. Ludvigsen 
Mercedes-Benz 300 SL - Racing Cars 1952 - 1953
Ludvigsen Library Series, 2002; 21,5 x 26 cm; Broschur; 126 Seiten; 116 s/w-Fotos; Einführung von Alfred Neubauer; englisch;  Preis $ 24,95;  ISBN-Nummer 1-58388-067-4
Wer sich neben dem bekannteren Serien-300 SL auch für dessen Renn-Vorläufer aus dem Jahr 1952 interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Dabei enthält das Werk kaum Text, dafür aber 116 fast ganzseitige, lediglich mit jeweils ein paar Zeilen Bildunterschrift versehene rare Schwarzweiß-Aufnahmen. Viele davon dürften bisher unveröffentlicht sein. Ein Großteil der Rennfotos stammen vom Motorsport-Fotografen Rodolfo Mailander, ein paar von Verleger Ludvigsen, einige aus dem Werksarchiv, und das farbige Titelfoto machte Journalist Günther Molter bei der Carrera Panamericana in Mexiko, wo er selbst ein Fahrzeug pilotierte. So knapp die englischsprachigen Texte gehalten sind, werfen sie doch Licht auf die bisher unbekannte Geschichte einzelner Fahrgestellnummern des W 194, so z.B. des Exemplars, welches früher mal im MB-Museum als Siegerfahrzeug der Carrera Panamericana ausgegeben wurde. Das macht dieses Buch vorerst zum unangefochtenen Standardwerk über den W 194.
Bei der auf dem Cover annoncierten "Einführung von Alfred Neubauer" (der frühere Mercedes-Rennleiter) handelt es sich allerdings um ein Memo des "Dicken" aus dem Jahr 1951, nicht daß jemand denkt, der Mann weile immer noch unter den Lebenden.
Hrsg. Mercedes-Benz Classic 
Faszination SL (W 194) 
DaimlerChrysler 2002, 96 Seiten, Hardcover, Format 22.5 x 31.5 cm, 160 teilweise farbige Bilder, ISBN 3-89365-133-0, NP 14,80 Euro cccccc ccccccc cccccccc cccccccc cccccccc c 
Ein schmales Bändchen, aber es handelt ja auch nur von 11 Sportwagen, nämlich den 300 SL W 194 der Jahre 1952 und 1953 mit den Fahrgestell-Endnummern 1 - 11. Macht im Schnitt fast neun Seiten pro Fahrzeug, und das ist dann doch eher umfangreich. Aber so ist das Buch nicht aufgebaut. Im Anschluß an die Vorgeschichte beschreibt Texter Günter Engelen kenntnisreich die Rennen, die von den ersten Nachkriegs-Silberpfeilen aus dem Haus Mercedes-Benz erfolgreich bestritten wurden, um dann ein ganzes Kapitel dem "Typ 11" zu widmen, der die Erfolgsgeschichte fortsetzen sollte und dann nicht durfte. Garniert mit etlichen historischen Fotos, die ich zuvor noch nie zu Gesicht bekommen habe sowie ein paar neueren, die bei einem Fotoshooting und Fahrzeugtest für die Zeitschrift Motor-Klassik vor einigen Jahren entstanden, macht dieses Kapitel das eigentliche Highlight des Buches aus, wenn auch der zugehörige Text etwas knapp ausgefallen ist, um Platz für die jeweils zugehörige englische Übersetzung zu behalten. Eine tabellarische Auflistung der einzelnen FG-Nummern mit ihrem jeweiligen Verbleib schließt diesen Teil des Buches ab. Die Inhalte entsprechen im Wesentlichen denen, die bereits im von Engelen verfaßten 300 SL-Werk aus dem Motorbuch-Verlag abgedruckt sind, freilich ergänzt durch aktuellere Informationen mit dem Stand von 2002. Den letzten Teil des Buches zieren ausführliche Porträts der Fahrer, welche die W 194 gefahren haben. Dies ist mal ein netter Zug, denn ohne Fahrer hätten die Autos ja nur rumgestanden und wären weitaus weniger bekannt geworden, oder? Am Ende gibt's noch eine vernachlässigbare Doppelseite über Miniaturen des W 194, weil sie lediglich Werbeseiten für die Mercedes-Benz Classic Collection sind.
Alles in allem auch dank des erschwinglichen Neupreises eine lohnenswerte Anschaffung.
Karl Kling / Günther Molter 
Teufelsfahrt durch Mexiko
Blüchert-Verlag, Stuttgart 1953 (Erstausgabe; Lizenzausgabe 1954 bei Bertelsmann Lesering); 12,7 x 19 cm; Hardcover; 64 Seiten; Zeichnungen von G. Scherrer

Hans-Günther Wolf 
Rennsieg in Mexiko
Enßlin & Laiblin-Verlag, Reutlingen 1953; 12,3 x 18,3 cm; Hardcover mit Leinenrücken; 80 Seiten; Zeichnungen von Alfred Zacharias; Titelzeichnung 1. Auflage von A. Zacharias, Titelzeichnung 2. Auflage von Hans Liska (Abb. auf der Literaturseite)

Diese beiden schmalen Bändchen zählten zu einer Art Literatur, die man in den frühen Jahren dieser Republik "Jugendbücher" nannte und von denen es ganze Buchreihen gab. Wer immer in diesen Jahren aufwuchs und zu lesen begann, dürfte etliche davon im ersten Bücherregal stehen gehabt haben. Der reportagehafte Schreibstil dieser Werke war demgemäß einfach gehalten und vermittelte dem Nachkriegs-Nachwuchs einen Hauch von Abenteuer, hier und da versetzt mit einer Prise heute etwas ranzig wirkender zeittypischer Deutschtümelei, garniert mit etwas militärischem Vokabularium - man hört vor dem geistigen Ohr den schneidend bis schnarrenden Duktus damaliger Wochenschau-Sprecher. Nun ja, bereits lange vor dem legendären Fußball-WM-Sieg 1954 bewies Mercedes-Benz Ende 1952 mit dem Sieg des neuen 300 SL-Sportwagen in Mexiko, daß Deutschland auf dem Weg war, "wieder wer zu sein".
Das erste Werk stammt aus der Feder zweier Rennteilnehmer der Carrera Panamericana 1952, der des Lenkers des Siegerfahrzeuges, Karl Kling, und der des Journalisten Günther Molter, der einen 300 SL "Spider" als Begleitfahrzeug steuerte. Damit ist das Buch hautnah dran, aus der Erzählerperspektive schildert Kling (vermutlich dann schriftlich formuliert von Fachmann Molter) Vorgeschichte, Vorbereitungen und den Verlauf des zur Legende gewordenen Rennens, in dem Kling und Beifahrer Klenk ein großer Vogel bei Renntempo durch die Frontscheibe krachte und Klenk eine blutende Kopfwunde bescherte. Scherrers farbige Titelzeichnung bildet das Ereignis ab.
Das Buch von Wolf, bei der vermögenderen Konkurrenz erschienen, bevor Bertelsmann das Kling-Buch in Lizenz herausbrachte, schildert die Geschehnisse sachlicher und logischerweise auch aus größerer Distanz. Wolf beschreibt den Rennverlauf nicht nur der deutschen, sondern auch der der anderen Teilnehmer und listet dabei z.B. die Zwischenstände am Ende der jeweiligen Rennetappen. Gleichwohl findet sich auch hier der jugendbuchtypische Schreibstil mit wörtlicher Rede, Sätzen, die mit drei Punkten enden und jeder Menge Ausrufezeichen. Zacharias' Titelbild der Erstausgabe zeichnet das Siegerfahrzeug detailgetreuer, während der heute berühmte Illustrator Hans Liska die Titelabbildung der zweiten Auflage etwas freier interpretiert und stilistisch deutlich schöner gestaltet hat. Hier ist der W 194 bereits mit den legendären Gitterstäben vor der Frontscheibe dargestellt.
Bleibt anzumerken, daß das Buch von Kling und Molter zu den ersten zählt, die der Verfasser dieser Seiten als Kind gelesen hat und damit sicher einen Großteil der Schuld an dessen 300 SL-Verrücktheit trägt.
Genau dieses Exemplar liegt jetzt vor mir, mit Widmung in krakeliger Kinderschrift: "G.K. zu Weihnachten". In grün, fast wie die Kotflügelraute des Siegerfahrzeugs...
Markus Bolsinger (Fotos)
Jürgen Lewandowski / Dr. Harry Niemann (Texte) 
50 Jahre Mercedes-Benz 300 SL
Verlag Delius Klasing; Bielefeld 2004; 144 Seiten; 75 teils dreiseitige Fotos, 33 s/w-Fotos, 11 farbige Abbildungen; Format 24 x 30 cm; ISBN 3-7688-1512-9; NP € 39,90
Ein Buch zum 50. Geburtstag des 300 SL, und ein Buch wie eine Geburtstagstorte: sieht schön aus, schmeckt auch, aber man ist schnell satt und braucht dann dringend 'ne Gewürzgurke. Das liegt vor allem an den Fotos von Markus Bolsinger. Gewiß, technisch hervorragende Aufnahmen, ein - freilich! - schönes Auto, vor grandioser Naturkulisse abgelichtet ("Valley of Fire"/USA, Mexiko, Kapstadt), aber daran hat man sich schnell satt gesehen. Dazu dann in den Bildbetextungen wortklingelnde Phrasen von Ästhetik, Mythen, Legenden, ein irgendwie letztlich hohl wirkender und obendrein vergeblicher Versuch, einer Krone noch ein paar Zacken mehr zu verpassen. Großartiges gehört schlichter verpackt.
Mehr Befriedigung vermitteln die Texte. Bei Lewandowski allerdings müssen hier allerdings auch Abstriche gemacht werden, denn leider wird der eine oder andere Irrtum bezüglich der Geschichte des W 194, die schon in seinem älteren Werk aus dem Südwest-Verlag standen, erneut aufgetischt. Daß das nicht stimmig ist, könnte der Autor selbst merken, denn er widerspricht sich. Beim Rennen in Bern bekam "Fritz Riess (...) den Wagen mit der Nummer 00002/52 zur Verfügung gestellt" (er wurde Dritter im Rennen); und fünf Seiten weiter schreibt Lewandowski "Der 300 SL mit der Fahrgestellnummer 00002/52 (...) stand in Bern als Ersatzwagen bereit."
Ansonsten breitet Lewandowski eine Fülle von spannend formulierten Details über die Geschichte des 300 SL aus, wobei jedoch keine Überraschungen zu erwarten sind. Die Highlights des Buches sind sechs Essays von Dr. Harry Niemann, Leiter des Konzernarchivs der DaimlerChrysler AG, in denen schlaglichtartig und anekdotenhaft Aspekte und Ereignisse aus der Fahrzeuggeschichte des 300 SL präsentiert werden. Davon hätte das Buch gut und gerne mehr vertragen - überhaupt vermisse ich in der einschlägigen Literatur Geschichte und Geschichten von Zeitzeugen, insbesondere aus dem Werk, und da nicht nur von Nallinger, Neubauer und Uhlenhaut. Bald ist es dafür zu spät.
Karl Ludvigsen (Hrsg. und Vorwort) 
Mercedes-Benz 300 SL Gullwings and Roadsters 1954 - 1964
Ludvigsen Library Series/Iconografix; Hudson 2005; 128 Seiten; über 120 s/w-Fotos; Softcover; Format 26 x 21,5 cm; ISBN 1-58388-137-9; NP $ 29,95
Wie bereits in seinem Buch "Mercedes-Benz 300 SL - Racing Cars 1952 - 1953" stützt sich Herausgeber Karl Ludvigsen auch in diesem Werk auf den immensen Fotofundus seiner Ludvigsen Library. So bestehen die meisten Seiten aus je einer großformatigen Aufnahme der Fotografen Rudolfo "Rudy" Mailander bzw. Edward Eves, versehen mit einer knappen, aber kenntnisreichen Bildunterschrift. Obwohl auf edles Papier und sonstigen Luxus verzichtet wird, sind die Fotos im Druck kontrastreich und scharf. Wenige der Bilder habe ich zuvor bereits gesehen, zum Teil kennt man einzelne, aber nicht die davor oder danach entstandenen Aufnahmen einer Serie. So wird der berühmte Gitterrohr-Rahmen aus allen möglichen Perspektiven und in Nahaufnahmen präsentiert, stets begleitet von Ludvigsens immensem Detailwissen. Eine lange Fotoserie zeigt die Entstehung der Fahrzeuge in den Werken Untertürkheim (wo die Motoren, Getriebe und Achsen gebaut wurden) und Sindelfingen (zuständig für den Rahmen, die Karosserie und die Endmontage), gefolgt von diversen Aufnahmen fertiger 300 SL auf dem Werksgelände, auf Automobilausstellungen und schließlich im Renneinsatz u.a. in den USA. Etwas kürzer kommen Bilderserien von Roadster und SLS, aber auch der exotische Porter-SL wurde nicht ausgelassen.
Die Unzahl seltener, teils nie gesehener Fotos macht dieses Buch zu einer unverzichtbaren Ergänzung der bekannten Standard-Werke über den 300 SL und kann nur wärmstens empfohlen werden.
Ein kleines Schmankerl am Rande: Ludvigsens eigener Gullwing, so enthüllt der Autor in seinem Vorwort, hat eine bewegte Renngeschichte - es war der Wagen, der von Wolfgang Seidel und Helm Glöckler mit Startnummer 454 bei der Mille Miglia 1956 auf den 7. Gesamt- und 3. Klassenplatz pilotiert wurde (Klassensieger damals: John Fitch mit dem 300 SL Startnummer 417).
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